Leseprobe
… Der Himmel war bedeckt und die Wolken hingen tief, obgleich sie nicht sehr dunkel waren. Es hatte vor Kurzem bereits zum ersten Mal an diesem Tage leicht geregnet und der Boden war noch feucht. Der dunkle Holzzaun, der das Grundstück des Alten begrenzte, neigte sich in den holprigen schmalen Feldweg hinein, so, als ob er irgendwann einmal abgesackt wäre. Tatsächlich musste der Zaun in früheren Zeiten gerade gestanden haben – Jupe konnte sich indessen nicht daran erinnern ihn jemals gerade stehend gesehen zu haben. Er schlurfte nun weiter – der Zaun befand sich zu seiner Linken – und begann, die Pfähle zu zählen. Er hatte sie früher bereits des Öfteren gezählt, fast jedes Mal zählte er sie, wenn er diesen Weg ging, er wusste auch das Ergebnis dieses Vorganges – es waren 17 bis zur Ecke – aber das Zählen gehörte zu seinem Schritt ins Dorf, es war sein Begleitrhythmus für den ersten Teil des Weges.
…
Er wusste, dass sie ihn nicht sehen konnten. Und in dieser privilegierten, erhabenen Position, dieser Position der Macht, konnte er nicht anders als zu lauschen, sie zu belauschen. Er konnte nicht alles verstehen. Immer wieder entwischte ihm ein Wort oder ein Halbsatz – es war gleichwohl unklar, ob sich der Gegenstand der Unterhaltung ihm vollständig erschlossen hätte, wenn ihm alle Wörter verständlich gewesen wären. Er war sich auch nicht sicher, wie viele Personen anwesend waren. Durch die Bretterschlitze konnte er zwei Figuren erkennen, aber es war möglich, dass noch mindestens eine Person in einem Winkel stand, der für ihn nicht einsichtig war. Infolge des Flüstertones klangen die Stimmen annähernd gleich. Eine schien etwas tiefer zu sein – dennoch war es möglich, dass gerade diese tiefere Stimme zu einer Frau gehörte, eine Raucherin etwa.